Die verschwundene Kirchenglocke
 
erzählt:Katharina Schneider geb. Millich
aufgeschrieben:Franz Schneider
 
Wie immer im Krieg, wenn das Material knapp und die Hoffnung zuletzt stirbt, ist nichts mehr heilig. So war es auch im ersten Weltkrieg. Die Banowzer, wie auch alle anderen Orte in Österreich-Ungarn, mussten ihre Kirchenglocken abliefern. Es hatte nichts geholfen, der Krieg wurde trotzdem verloren.

Die Kriegswirren legten sich mit der Zeit und das Leben nahm seinen normalen Gang. Manche der Glocken hatten überlebt und durften wieder abgeholt werden. Die evangelische Kirche in Neu-Banovci gehörte zu den Glücklichen, die eine solche Benachrichtigung erhielten.

Sie wählten eine festliche Abordnung, die zu dem Sammelplatz in Semlin fahren sollte, um die Glocke in Empfang zu nehmen. Doch als sie dorthin kamen, wurde ihnen eröffnet, dass die Glocke bereits abgeholt worden wäre. Nun stellte sich für sie die Frage, wer sie abgeholt hatte. Schlitzohren gab es zuhauf. Vielleicht hatte eine Gemeinde, deren Glocke eingeschmolzen war, sich als die Banowzer Abordnung ausgegeben und die Glocke einfach mitgehen lassen.

Doch die evangelischen deutschen Banowzer hatten gleich ihre katholischen kroatischen Mitbewohner in Neu-Banovci im Verdacht. Immer, wenn die Glocke in der katholischen Kirche läutete, glaubten sie ihre Glocke zu hören. Der Verdacht konnte nicht ausgeräumt werden. Lag ein Deutscher mit einem Kroaten im Zwist und wollte dem Kroaten mitteilen, dass er ihm nicht trauen könne, verwies er auf die Glocke.

In dieser Zeit wurde Fritz Schleicher erstochen aufgefunden. Sie Sache wurde nie geklärt und der Mörder nie gefasst. Es wurde aber vermutet, dass er die Kroaten zu oft auf die verschwundene Glocke verwiesen hatte.
 
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